Naturwald-Projekt

Zwischenbilanz zum Projekt der LBV-Kreisgruppe Neumarkt

Als es nach der letzten Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren in Mitteleuropa wieder wärmer wurde, entstanden ausgedehnte Waldgebiete. Der größte Teil des Landes war von Wäldern bedeckt, hauptsächlich Laubwälder, in den höheren Lagen auch Mischwälder und Nadelwälder.

Zwar begannen schon in der Jungsteinzeit die Menschen, Wald zu roden und Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Große Waldgebiete blieben aber unangetastet. In diesen  Wäldern war der überwiegende Anteil der Bäume älter als 100 Jahre. Buchen können bis zu 400 Jahre alte werden, Eichen und Linden noch älter. In hohem Alter bilden vor allem Laubbäume vielfältige Strukturen wie Astabbrüche, Hohlräume, abstehende Rinden usw. aus. Eine Vielzahl von Tieren, Flechten und Baumpilzen findet dort Unterschlupf und Lebensraum. Gleiches gilt für sogenanntes Totholz, das allmählich zersetzt wird und so wieder in den Nährstoffkreislauf des Waldes zurück gelangt.

 

In unseren Wirtschaftswäldern sind solche Altholzbestände auf kleine Reste geschrumpft. Diese Waldstrukturen haben als Überlebensinseln für viele Arten eine enorme Bedeutung. Mit unserem Naturwald-Projekt wollen wir derartige Waldbestände zunächst erfassen und in Absprache mit den Waldbesitzern so weit wie möglich sichern.

Aus mehreren Gründen erschien es uns zweckmäßig, die Gemeindewälder im Landkreis in den Blick zu nehmen. Denn die allermeisten Gemeindewälder werden vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) betreut. Die staatlichen Förster stehen dem Naturschutz aufgeschlossen gegenüber und bemühen sich in den letzten Jahren verstärkt darum, ökologisch wertvolle Strukturen in den Gemeindewäldern zu erhalten. Das AELF hat unser Projekt von Anfang an aktiv unterstützt. Auch die Untere Naturschutzbehörde wurde einbezogen.

Als Pilot-Gemeinde stellte sich die Gemeinde Berg zur Verfügung. In Bürgermeister Helmut Himmler fanden wir sofort einen Fürsprecher, der den Wert alter, naturnaher Waldbestände für den Naturschutz, aber auch für die Bevölkerung erkannte.

Gemeinsam mit dem zuständigen Forstbeamten wurden die etwa 110 Hektar großen Gemeindewaldflächen auf geeignete Strukturen untersucht. Ausgewählt wurden zwei Flächen: Eine Waldfläche am Dillberg, in der gezielt Biotopbäume geschützt werden, sowie eine  weitere Fläche bei Wünricht, die vollständig aus der Bewirtschaftung genommen wird. Auf diesen beiden etwa 4 Hektar großen Waldflächen soll sich die Natur langfristig so weit wie möglich ohne menschlichen Einfluss entwickeln können.

 

Das Projekt wird nun in anderen Gemeinden fortgesetzt. Die Gemeinde Pilsach hat ihre Mitwirkung bereits zugesagt.

© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
zum Anfang
Mitglied werden
LBV Naturshop
LBV QUICKNAVIGATION